Trotz schwerer Krankheit stark im Spitzensport

Paralympics-Siegerin Franziska Liebhardt unterstützt jetzt den Verein Organtransplantierte Ostfriesland

Am Sonnabend berichtete sie bei der Firma Moresco in Leer über ihr Leben vor und nach ihrer Lungen- und Nierentransplantation. Mit ihrem Konterfei wirbt sie jetzt auf 30 Lastwagen des Unternehmens für die Organspende.

VON C. AMMERMANN

LEER – Der Verein Organtransplantierte Ostfriesland kann bei der Werbung um neue Organspender auf prominente Unterstützung bauen. Ab heute rollen 30 Lastwagen der Leeraner Spedition Moresco mit dem Konterfei von Franziska Liebhardt quer durch Deutschland. Liebhardt ist Paralympics-Siegerin. 2016 holte sie in Rio de Janeiro die Goldmedaille im Kugelstoßen.

Damit wird die „Flotte für das Leben“ immer größer. Wie berichtet, fahren auf Initiative des Vereins seit Februar bereits 200 beklebte Lastwagen durch die Republik und machen Werbung für die Organspende.

Auf Einladung von Barbara Backer, der Vorsitzendendes Vereins, hielt die Würzburgerin am Sonnabend in der Lagerhalle der Spedition Moresco einen Vortrag. „Ich bin Paralymics-Siegerin. Mehr Erfolg geht kaum, denkt man. Und doch war der wichtigste Erfolg in meinem Leben ein ganz anderer“, sagte Liebhardt. Sie berichtete eindrucksvoll und sehr emotional über ihr Leben vor und nach ihrer Lungen- und Nierentransplantation. „Natürlich gab es schwere Momente in meinem Leben, dunkle Stunden. Und doch wäre es falsch, diese Zeiten nur negativ zu betrachten, denn sie haben mir auch Gutes gebracht, indem sie mir neue Chancen eröffnet haben“, sagte sie.

2005, im Alter von 23 Jahren, hatte sie die Diagnose erhalten, dass sie an einer Autoimmun-Erkrankung leidet, die ihre Organe attackiert. Ein Schock für die Leistungssportlerin, die unter anderem in der Regionalliga Volleyball spielte. „Mein Immunsystem ist blind, es kann nicht zwischen kranken und gesunden Zellen unterscheiden. Deshalb greift es auch meine gesunden Körperzellen an“, sagte Liebhardt. Die Störung ist nicht heilbar. Ein Jahr später stellten Ärzte fest, dass die Lunge von der Erkrankung betroffen war. „2007 war meine Lunge dann so stark geschädigt, dass ich meine Volleyballlaufbahn beenden musste, mir blieb keine andere Wahl.“

Es folgten schwierige Zeiten. 2008 wurde sie nach eigenen Angaben zum kompletten Pflegefall, Anfang 2009 überlebte sie nur dank eines Luftröhrenschnitts und maschineller Beatmung. Im April des Jahres folgte die erlösende Nachricht: Es wurde eine Spenderlunge gefunden. 2011 ereilte sie dann die nächste Hiobsbotschaft: Die Nieren versagten, sie musste an die Dialyse. Während der Zeit im Krankenhaus erlitt sie zudem einen Schlaganfall. Die Folge – sie hat Koordinationsstörungen. 2012 erhielt sie von ihrem Vater eine Spenderniere. „Zum Glück haben wir beide die Operation gut überstanden.“ Ihr Vater frage sie jetzt immer: „Wie geht es meiner Niere?“

Trotz der Rückschläge fing sie wieder an, Sport zu treiben. Und sie merkte schnell, dass mehr möglich war, als ihr die Ärzte zutrauten. Ein Kugelstoßtrainer entdeckte ihr Talent und förderte sie. Später wurde die damalige Behindertensport-Bundestrainerin Steffi Nerius auf Liebhardt aufmerksam. Beide hatten ein Ziel vor Augen– die Teilnahme an den Paralympics in Rio 2016. „Ich habe alles investiert, um diese letzte Chance zu nutzen“, sagte die Sportlerin jetzt. Mit Erfolg – schließlich siegte sie beim Kugelstoßen.

Organspende

Derzeit warten in Deutschland rund 11 000 Patienten auf ein Spenderorgan, davon etwa 7000 auf eine Niere. Der Verein Organtransplantierte Ostfriesland will Menschen vor und nach einer Organspende begleiten und über das Thema aufklären. Weitere Infos gibt es beider Vorsitzenden Barbara Backer unter der Telefonnummer 0 49 54/99 45 68.

 

Quelle: ZGO Zeitungsgruppe Ostfriesland GmbH – Ostfriesen-Zeitung vom 3. April 2017 – Danke, dass wir den Artikel nutzen dürfen.

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