Sophie

Sophie_001Sophie hatte seit ihrer Geburt einen Hydroc.int.(in der Umgangssprache auch „Wasserkopf“ genannt), der durch einen Shunt eigentlich gut im Griff war. Sie war ansonsten ein gesundes, fröhliches Kind, ging zur Schule, trieb Sport – so wie alle gesunden Kinder.

In den letzten 2 Jahren bekam sie allerdings immer wieder Kopfschmerzen mit Erbrechen, Apnoen folgten. Meist gingen diese nach ein paar Tagen Krankenhausaufenthalt wieder weg, Untersuchungen im CT ergaben keine Veränderungen, weitere Diagnostik wurde nicht betrieben. Man erklärte, dass sie wohl zu wenig Flüssigkeit zu sich genommen hätte.

Im November 2003 lag sie wieder auf der Intensivstation, nun kamen auch noch Krampfanfälle hinzu. Doch nach 4 Tagen durfte sie wieder nach Hause, da ja wieder alles ok war. Wieder wurde keine Diagnostik durchgeführt.

Am 20.12.03 ging es wieder los. Ich schaffte es diesmal nicht, sie selbst in die Klinik zu bringen. Im RTW hatte sie einen Krampfanfall, erbrach sich, Apnoen in immer kürzeren Abständen. In der Klinik wurde ein CT gemacht – keine Auffälligkeiten, außer dass die Ventrikel sehr eng waren. Also ab an den Tropf, sie muss mit Flüssigkeit versorgt werden, dann wird das schon. An den folgenden Tagen immer mehr Verschlechterung des Zustandes, doch die Neurochirurgen meinten noch immer, das ist kein Fall für uns, sie muss was anderes haben. Nachdem sie nicht mehr ansprechbar war (sie hatte unerträgliche Schmerzen die ganze Zeit über), machte man nun am 25.12. doch ein MRT (war aber eigentlich schon für den 21. angesetzt, wurde aber nicht durchgeführt). Direkt nach dem MRT ging es zur OP, der Schädel wurde geöffnet, da man nun die Hirnschwellung endlich bemerkte.

Doch es war einfach alles zu spät, am 27.12. erfolgte die erste Hirntoduntersuchung – es war noch ein wenig Blut vorhanden, also hieß es warten. Am 29.12.03, 17.23 Uhr, wurde der klinische Tod meiner Tochter festgestellt. Die Neurochirurgen hatten sich die ganze Zeit nicht mehr sehen lassen

Der einzige Trost für mich ist, dass ihre Organe anderen Menschen geholfen haben.

 

<h3″>Allein

Allein – mit der Trauer und den Tränen, die nie zu versiegen scheinenen.
Allein – mit der Liebe für das Kind, daß nie wirklich leben durfte.
Allein – mit der Angst verlassen zu werden, von den Menschen die ich liebe.
Allein – kämpfend um die Erinnerung wachzuhalten.
Allein – hoffend auf Verständnis der Menschen die mit mir leben.
Allein – mit der ohnmächtigen Wut auf das Schicksal.
Allein – betend, daß sich das Blatt noch einmal wendet.
Allein – mit den Vorwürfen und dem Zweifeln am Selbst.
Allein – umgeben von Menschen und doch allein.
Allein – mit der endlosen Leere in mir.

Allein – wartend auf eine Aufgabe, eine neue Herausforderung, die das Leben lebenswert macht.

Allein – trotz der Liebe und angebotenen Hilfe der Menschen, die mich lieben.
Allein – in dem tiefen, schwarzen Nichts, daß mich umgibt.
Allein – abwartend, daß der unsägliche Schmerz nachläßt, und den schönen Erinnerungen Platz macht.
Allein – begleitet von liebenden Menschen, trotzdem allein im Leid.
Niemand kann helfen, nur lindern und versuchen zu verstehen, aber unser Schicksal und Leben müssen wir selber meistern – und zwar Allein.


Liebe Frau Trojan,

heute will ich Ihnen endlich Auskunft über die Patienten erteilen, die ein Organ von  Sophie erhalten haben.

Ich kann es erfreulicherweise sehr kurz machen, da es allen Patienten mit dem Organ ihrer Tochter noch gut geht.

Kurz aufgezählt sind das: 1 Niere, Niere und Bauchspeicheldrüse gemeinsam, Leber, Herz und beide Lungen gemeinsam auf einen damals 10jährigen Jungen. Das ist wirklich schön! Wir sehen uns dieses Jahr?

Viele Grüße,
Sonja T. DSO

Sonderveröffentlichung zum Organspende-Dialog in „Die Welt“

„Meine Tochter lebt in Anderen weiter“
Von Natascha Plankermann 20. November 2009

Frauke Trojan verlor ihre kleine Sophie. Seither engagiert sich die 47-Jährige für die Organspende.
Es wäre Sophies Wille gewesen – da ist Frauke Trojan sicher. Die 47-Jährige beschloss mit ihrer Familie, die Organe ihrer neunjährigen Tochter zu spenden, kurz nachdem deren Tod festgestellt worden war. Heute engagiert sich Frauke Trojan als Botschafterin.